A + B —–> A⁺ + B⁻ + 0 + U + T

Hier sammeln sich Inhalte, die mit der >>Wirklichkeit<< umgehen. Obwohl Film- und Audiobeiträge häufiger in den Vordergrund treten, besteht dieser Blog im Kern aus einzelnen Textfragmenten, die zu einer Art Intuitions-Orakel verbunden sind (Jukebox). In den Schlagwörtern versuche ich mit Verben, Adjektiven und möglichst gegenständlichen Substantiven das „Unmittelbare“ der Texte in den Fokus zu nehmen. Die sich derart ergebenden Wortgruppen bilden eine Anzahl konkreter Begriffe, über die man spontan zu Inspirationen gelangen kann.

Das Wort „wirklich“ erscheint als eine Art letzte Instanz in der Sprache, beziehungsweise im Denken, wie auch „echt“ oder „wahr“. So liefert dieses Wort einen wichtigen Orientierungspunkt, der anscheinend überall gebraucht wird. Auch wenn die Auffassungen darüber oft verschieden erscheinen.

„Wirklich“ oder „in Wirklichkeit“ begegnen mir häufig als mehr oder weniger verdächtige Beteuerungen, die meine Skepsis befördern. Die Wortgestalt kreuzt mal mehr und mal weniger auffällig meinen Weg. Eines aber stellt sich bei der Betrachtung der allgemeinen Lage für mich heraus: entgegen der Selbstverständlichkeit, mit der man von einer gewissen Wirklichkeit spricht, scheint im allerletzten Schluss gar keine Auffassung von irgendeiner Wirklichkeit möglich zu sein, zu der nicht auch eine Menge Einbildungskraft, unverhältnismäßiger Drang zur äußeren Form und eine Menge Blindheit gehören würden. So stellt sich der objektive Wirklichkeits-Gedanke in seiner Grundstruktur am Ende selbst als konstruierte Über-Illusion heraus, die im Unterschied zu den anderen  Phantasieprodukten für sich beansprucht, der alleruniversellsten Wahrheit oder Ähnlichem am nächsten zu sein.  „Unwirkliches“ stellt folglich eine, wenn nicht die wesentliche Voraussetzung für Wirklichkeit dar. Der Ort dieses Geschehens scheint uns die Sprache, während wir alle von uns selbst her die Gewissheit kennen, dass sich das Leben darin nicht erschöpft. Und ich bin dankbar, dass in der Sprache nicht nur Präzisionen und Zwänge wohnen, sondern auch jederzeit genauso gut Ausgänge, Abflüsse und Ausflüchte offen stehen. Nur wer Sprache und Begrifflichkeiten verabsolutiert, kann behaupten, in einer endlosen Fiktion gefangen zu sein.  Man kann sich eine Menge Worte sparen, ohne dass es schadet, aber wenn man eine notwendige Handlung unterlässt, ergibt sich oft keine Gelegenheit mehr, sie nachzuholen.

Warum also sich kümmern, warum nicht? Dieser Blog setzt dem Übermaß von Wirklichkeits-Gewalt sein Mehr! entgegen – möge da kommen, was will. Bei „weniger“ scheint es sich sowieso um keine praktikable Vorstellung zu handeln. War doch in der Geschichte der Menschheit allem Anschein nach dort, wo man es mit weniger versucht hat, immer der heimliche Gedanke im Spiel, am Ende käme mehr heraus. Und wenn der Umkehrschluss gilt, macht es da nicht gerade im Bereich der Wirklichkeits-Behauptungen Sinn, durch das  Mehr! tatsächlich eine Reduktion dieses Bretterhaufens auf ein praktisches Maß zu provozieren?

„Wirklichkeit“, von aller Absicht befreit, erscheint mir in der Essenz als ein Wort, das die Geister eigentlich vereint, oder sie wenigstens in sozusagen trans-individuelle Konstellationen bringt, wie z.B. die Wirklichkeitsmuster, die man als Ursache-Folge, Tatsachenwahrnehmung oder Kommunikationen kennt. Es gibt kein Wirken, ohne dass Menschen in Austausch gelangen, sich gegenseitig wahrnehmen und miteinander teilen. Als ein offener Platz, von dem aus die Welt besser auszumessen ist, gefällt mir die Idee der Wirklichkeit am besten. „Machen wir uns nichts vor“ heißt aus diesem Blickwinkel also immer auch „Machen wir uns alles vor“.

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