A + B —–> A⁺ + B⁻ + 0 + U + T

Hier sammeln sich Inhalte Dritter, die mit der >>Wirklichkeit<< umgehen. Das Wort „wirklich“ scheint eine Art letzte Instanz in der Sprache oder im Denken zu sein. Damit besteht eine wichtige allgemeine Orientierungsfunktion, während die Auffassungen vom Wirklichen jeweils eigen bleiben.

Die Wirklichkeit rührt innerhalb des sprachlichen Organisationssystems vom viel älteren „Wirken“ her und beschreibt ursprünglich Vorgänge und Tätigkeiten wie z.B. „Bilder in Stoffe wirken“. „Wirken“ bedeutet also, dass eins das andere erreicht und durch eine Art symbiotischen Prozess zu etwas Weiterem, etwas Drittem wird – usw. „Wirkung“ erscheint als eine Art Lebensprinzip meist erwünscht und expansionswürdig, wenn es sich nicht gerade um Gift im eigenen Essen oder Naturkatastrophen handelt. Für diese Seite des umfassenden Bewegungscharakters der Wirklichkeit verwendet man eher die negativere „Auswirkung“ .

Das Wort „Wirklichkeit“ begegnete mir häufig auch als mehr oder weniger verdächtige Beteuerung, die meine Skepsis weckte. Ich suche nicht nach ihr, sie kreuzt mal mehr und mal weniger meinen Weg. Es gibt die Besessenen, die vor dem, was sie für Wirklichkeit halten, fliehen, und die, die das, was sie für Wirklichkeit halten, anderen als autoritären Maßstab aufzwingen wollen. Eines aber stellt sich bei der Betrachtung der Lage für mich heraus: entgegen der allgemeinen Selbstverständlichkeit, mit der man von einer gewissen Wirklichkeit spricht, scheint es im allerletzten Schluss gar keine Wirklichkeit zu geben, an der nicht eine Einbildungskraft und viel Wille zur Form beteiligt wäre.  So stellt sich der Wirklichkeits-Gedanke selbst als Über-Illusion heraus, die im Unterschied zu den anderen  Phantasieprodukten für sich beansprucht, der wahrscheinlichen Wahrheit am nächsten zu sein.  „Unwirkliches“ stellt somit eine wesentliche Voraussetzung für Wirklichkeit dar.

Andererseits lässt sich nichts denken, was nicht in tatsächlichen Ereignissen seine Ursprünge und Bindungen hätte. Und darüber hinaus wird beim Geschichtenerzählen wie im Gerichtsprotokoll, im Werbespot wie der Gebrauchsanweisung, dem Leitartikel wie der Schimpftirade in lediglich unscheinbaren Abweichungen ein und dieselbe Sprache benutzt, ohne dass man sich darum besser verstünde. Nur wer die Wörter-Sprache verabsolutiert, kann behaupten, in einer endlosen Fiktion gefangen zu sein.

„to have no idea about sth.“ oder „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ sind zwei beliebig herausgegriffene Phrasen, die auf das Wesentliche meiner Erörterung hinweisen sollen: Das Denken und das Handeln erfüllen ihre Potentiale besser, je mehr diese beiden Pole zu der Einheit gelangen, die sie im Grunde schon sind. Das Abstrakte führt in die Idee hinein, das Konkrete führt aus ihr heraus, und beides, auch hier, erscheint mir mehr als eine namenlose Einheit, die dichotomischen Unterscheidungen an diesem Punkte lächerlich.

Einer solchen Hexenküche aus Psychologie, Physik und Philosophie versucht die Mehrheit der Menschen verständlicherweise aus dem Weg zu gehen, außer es tut bereits besonders weh.

Dieser Blog setzt dem Einknicken sein Mehr! entgegen – möge da kommen, was will. Bei „weniger“ scheint es sich mir sowieso um keine zustimmungsfähige Vorstellung zu handeln. War doch in der Geschichte der Menschheit allem Anschein nach da, wo man es mit weniger versucht hat, immer der heimliche Gedanke im Spiel, es käme dadurch mehr heraus.

„Wirklichkeit“ erscheint mir da zuletzt doch als ein Wort, das die gegensätzlichen Geister vereinen will. Als ein offener Platz, von dem aus die Welt besser auszumessen ist, als etwa mit antiwissenschaftlichen oder überhaupt Anti-Ansätzen. Die scheinbare Bedeutung dieses Begriffs schmälert und verringert sich im Laufe solchen Wirklichkeits-Lernens immer weiter auf Milliarden isolierbare Essenzen und Prozesse. Bis wieder jemand die Brust herausstreckt und neu anhebt: „In Wirklichkeit…“.

„Machen wir uns nichts vor“ bedeutet unter diesen Bedingungen also „Machen wir uns alles vor“. Es macht mir viel Vergnügen, Funde zu teilen, die etwas über das fragwürdige Wesen der Wirklichkeit mitteilen, und ich wünsche dabei allen viel Spaß, Spiel und Spannung.

Trotzdem das Sammeln von Film- und Audiobeiträgen in letzter Zeit in den Vordergrund getreten ist, besteht dieser Blog im Kern aus Zitaten einzelner Autoren. Sie sind über die „Jukebox“ miteinander verbunden. Dort versuche ich, durch Verben, Adjektive und möglichst konkrete Substantive das „Unmittelbare“ der Texte nach vorn zu stellen. Die sich derart ergebenden Wörter bilden eine relevante Menge konkreter Begriffe, aus denen man spontan wählen kann, um sich einen Impuls zu verpassen. Ich könnte einerseits das Orakel von Delphi dazu zitieren und finde andererseits, eine „Jukebox“ sieht einfach besser aus als ein antikes Geheimnis.

Herzlichst,

Euer Tobias

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s