5-Minuten-Interview: Karl K. [15. Februar 2018]

 

Worauf freust Du Dich beim Aufstehen?

Das ist leicht zu beantworten: worauf ich mich nach dem Aufstehen freue, ist wirklich Kaffee, Kippe, Dusche..

[Lachen]

Auf welche Weise erlebst Du in Deinem Alltag Politik?

[Räuspern] Hauptsächlich in der Diskussion mit meiner Freundin über aktuelle, nicht bloß aktuelle, vergangene und immerwährende politische Probleme und in der Auseinandersetzung mit mir selbst und Gesellschaft. Und wenn ich jetzt weiter darüber nachdenke: indem ich dem Leben Regeln gebe, nicht nur meinem eigenen Leben, sondern dem Leben in Gemeinschaft, vom ganz Kleinen her, was auch schon Mitbewohner stark auf die Palme gebracht hat, weil ich manchmal auf Regeleinhaltung poche.

Kannst Du dafür ein Beispiel geben?

Es fängt ganz einfach beim Toilettenpapier an. Ich war in der Vergangenheit richtig sauer, wenn ich nicht dran war Toilettenpapier zu kaufen und kein Toilettenpapier da war. Weil die Regel war, dass wir uns beim Toilettenpapier Kaufen abwechseln. Also eine selbstgemachte Regel, die eingehalten werden muss.

Wenn Du eine Sache verändern könntest, abseits vom Politischen, eine Sache , die Du formulieren kannst, verändern, wie Du willst – mit welcher würdest Du es probieren?

Was mir eigentlich direkt einfällt, aber es fällt mir schwer, es zu formulieren.. [Pause, Räuspern] – Das Abtun, das Abtun zu unterbrechen. Das Abtun funktioniert insofern, als man sich etwas anhört und als schon bekannt erkennt und dann abtut, also wie im Aktenordner weggesteckt. „Ich kenne das schon, das ist nur Teil von dem, was ich schon kenne.“ – aber es ist gerade in dem Moment ja wieder in die Wirklichkeit gekommen, indem es wieder darum ging. Wo es abgetan wurde, ist es wieder in die Wirklichkeit gekommen und verlangt eigentlich dort nach neuer Betrachtung. Und das Abtun verhindert diese neue Betrachtung, um quasi eine höhere Erkenntnis aus der gleichen Sache wieder zu gewinnen – Möglicherweise aus der gleichen Sache, oft ist man sich noch gar nicht mal sicher, ob es sich dabei um das schon Gekannte handelt, möglicherweise steckt was ganz Neues dahinter, oder es hat andere Ursachen, dass es zur Sprache kommt, und das Abtun verhindert eben den ganzen Aufbau darauf, und ich denke, das zu unterbrechen, oder wenn ich einen Schalter umlegen könnte: die Menschen können nichts mehr als Gekanntes abtun, das würde das gesellschaftliche Zusammenleben auf eine ganz krasse Art und Weise nach vorne bringen.

Welche Persönlichkeit, würdest Du sagen, hat Dich bisher am meisten beeindruckt?

Da gibt’s auf jeden Fall mehrere beziehungsweise Verschiedene in unterschiedlichen Lebensphasen. Wenn ich jetzt drei aufzählen würde, die mir spontan in den Kopf gekommen sind, dann wären dasTony Hawk, Hagen Rether und Daniele Ganser. Und wenn ich jetzt noch versuchen will kurz zu begründen, warum: Tony Hawk, weil er mich in einem meiner langjährigsten Hobbies als Vorbild begleitet hat, und zwar aufgrund der Konsequenz, mit der er das Hobby verfolgt hat, Hagen Rether, weil er gesellschaftliche Probleme in Absurdität überführt und damit eine leichte Umgehenssweise schafft, und Daniele Ganser, weil er seiner Wissenschaft gemäß konsequent etwas verfolgt, und ihm dabei sogar das Recht als Dozent zu lehren aberkannt wurde. Er wurde von der Universität gekickt und hat sein Forschungsthema trotzdem weiter behandelt, also weil er trotz öffentlicher Hetze seinen Weg weiter gegangen ist.

Glaubst Du, ich könnte die Frage auch so stellen: welche Persönlichkeit hat Dir am meisten gebracht, am meisten gegeben, hältst Du das für eine brauchbare alternative Formulierung dieser Frage?

Das setzt die Frage für mich auf ein ganz anderes Level, weil ich dann andere Leute nennen würde, die ich auch wirklich kenne, denen ich die Hand schütteln konnte sozusagen.

Ja, danke, ok. Welches ist Deiner Meinung nach das wichtigste Ziel, das sich ein Mensch setzen kann, auf der allgemeinsten Ebene?

Also im zweiten Schritt kommt mir irgendwie Selbsttreue, aber davor hatte ich was, was nicht komplett hervorgetreten ist.. [Pause] Ja, zwei Antworten. Das eine ist Verantwortlichkeit zu pflegen, auf so einer abstrakten Ebene. Und das heißt besonders, handeln zu wollen, auch wenn man die Konsequenzen nicht überschauen kann, aber sie aufrecht tragen zu wollen. Und das Zweite wäre das Leben um des Lebens willen zu erhalten. Das ist wirklich schwer zu sagen. Also ich denke natürlich an so Sachen wie „Dinge, die ich zum Leben brauche, sollte ich nicht zerstören, aber ich denke auch an so einen Gedanken wie den Fluss als Fluss zu erkennen, nicht zu erkennen, sondern als Fluss zu spüren und zu fließen. Ja, wenn man sich das als Ziel setzen kann, was mir aber auch irgendwie absurd vorkommt, aber, ja. [Grinsend] Wenn man sozusagen das intuitive Gefühl des Flusses als Zielsetzung haben könnte, sollte man das machen. [Lachen]

Danke. Die letzte Frage ist: was macht ein glücklicher Mensch, wie sieht er oder sie aus?

Ich habe direkt ein Bild von einem lachenden Kind vor Augen. Das reicht vielleicht schon – lachendes Kind, das ist nah am Glück.

[Lachen]

Das Interview hat in Wirklichkeit 9 Minuten und 14 Sekunden gedauert.

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Eine Antwort zu 5-Minuten-Interview: Karl K. [15. Februar 2018]

  1. der button reagiert nicht, also nutze ich good ol‘ sprache: gefällt mir. zum beispiel diese verschränktheit vom versenkt-sein im eigenen und der unbekümmertheit in der vermittlung. hat es eine audioaufzeichnung gegeben? auch der anschein fehlenden bedarfs einleitender worte zur person. 5-minute interview with a man *who needs no introduction* … / um zustimmung geht es in interviews ja nicht; doch folgende erwägung juckt es mich zu kommentieren: „wenn ich einen Schalter umlegen könnte: die Menschen können nichts mehr als Gekanntes abtun, das würde das gesellschaftliche Zusammenleben auf eine ganz krasse Art und Weise nach vorne bringen.“ – ich stimme zu, wenn „nach vorne“ heißt: in ein völlig ungeordnetes dunkel rasender auf ewig singulärer ereignisse. und doch erscheint mir karl k. nicht wie ein chaos-utopist. ich denke, es geht ihm um empathie und das, was man etwas fade aufgeschlossenheit nennt. um die bereitschaft des einzelnen, die unausweichliche begrenztheit jeder kenntnis anzuerkennen, zuallererst der eigenen, und so auf situationen und begegnungen, auf äußerungen mit offenem blick und ohr zu achten, wie auf etwas neues, selbst wenn es allen anschein des bekannten trägt. jordan peterson bringt es (mit c.g. jung) auf die formel: „talk and listen to every person as to someone from whom you can learn something.“ –
    herzliche grüße an interviewer und interviewee, weiter so – mehr wirklichkeit!
    A.

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