Christa Wolf

„Den Mythos lesen lernen ist ein Abenteuer eigener Art; eine allmähliche eigne Verwandlung setzt diese Kunst voraus, eine Bereitschaft, der scheinbar leichten Verknüpfung von phantastischen Tatsachen, von dem Bedürfnis der jeweiligen Gruppe angepassten Überlieferungen, Wünschen und Hoffnungen, Erfahrungen und Techniken der Magie – kurz, einem anderen Inhalt des Begriffs >>Wirklichkeit<< sich hinzugeben. Nicht bei meinem ersten Besuch, erst allmählich, in der Erinnerung, belebten sich die Anlagen von Knossos und Phaistos mit einem Gewimmel von Leuten – Minoern, deren Gesichtszüge, wenn wir sie dem Portrait >>Pariserin<< (die eigentlich eine Priesterin sein soll) und denen des >>Lilienprinzen<< (ebenfalls wohl ein Priesterjüngling) entnehmen, dir heute noch plötzlich an einer jungen Frau, die im Bus eng angedrückt an dich steht, an einem jungen Mann vor einer der Dorftavernen entgegentreten können; […]

– Christa Wolf: Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra, Darmstadt und Neuwied 1983, S. 57

Christa Wolf wurde am 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe als Christa Ihlenfeld geboren und starb am 1. Dezember 2011 in Berlin; Todesursache: Krankheit

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