Slavoj Žižek

„Man sollte das liberalkonservative Spiel, den >>Totalitarismus<< zu bekämpfen, zurückweisen, das sich auf ein stabiles Repertoire ethischer Standarts beruft, wobei jedes Abgehen von diesen Standarts gleich in die Katastrophe führen soll: Nein, der Holocaust und der Gulag haben sich nicht ereignet, weil man die Grundregeln menschlicher Sittlichkeit vergessen, die >>Bestie im Menschen entfesselt<< und den Menschen die uneingeschränkte Verwirklichung ihrer mörderischen Antriebe gestattet hat. Die Wahl – wiederum und zum letzten Mal – ist eine zwischen Schlecht und Schlimmer. Die freudianische Ethik stellt der >>schlechten<< Über-Ich-Version des Du darfst! ein anderes, noch schlimmeres Du darfst!. ein Scilicet (ein >>Es ist gestattet…<< – der Titel eines Jahrbuchs, das von Lacan in den frühen 70er Jahren herausgegeben wurde) entgegen, für das keine Figur des Herrn mehr einstehen wird. Lacans Maxime >>Lass nicht von deinem Begehren ab!<< billigt vollständig das pragmatische Paradox des Imperativs, frei zu sein: Es mahnt dich, es zu wagen.“

Slavoj Žižek: Die Tücke des Subjekts, Frankfurt am Main 2010 [The Ticklish Subject. The Absent Center of Political Ontology, 1999], S. 547/548.

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