André Breton

Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann: Surrealität. Nach ihrer Eroberung strebe ich, sicher, sie nicht zu erreichen, zu unbekümmert jedoch um meinen Tod, um nicht zumindest die Freuden eines solchen Besitzes abzuwägen.


Ich glaube lediglich, dass es zwischen meinem Denken – so wie es sich aus dem von mir Geschriebenen verstehen lässt – und mir, der vom eigentlichen Wesen meines Denkens zu etwas, was ich noch nicht weiß, verpflichtet wird: dass es zwischen diesem Denken und mir eine Welt gibt, eine unumkehrbare Welt von Phantasmen, von realisierten Hypothesen, verlorenen Einsätzen und Trug, deren flüchtige Untersuchung mir schon davon abrät, an diesem Werk auch nur die geringsten Korrekturen vorzunehmen.


Zur gleichen Zeit schrieb ein Mann, mindestens ebenso langweilig wie ich, Pierre Reverdy:

Das Bild ist eine reine Schöpfung des Geistes.

Es kann nicht aus einem Vergleich entstehen, vielmehr der Annäherung von zwei mehr oder weniger voneinander entfernten Wirklichkeiten.

Je entfernter und je genauer die Beziehungen der einander angenäherten Wirklichkeiten sind, um so stärker ist das Bild – um so mehr emotionale Wirkung und poetische Realität besitzt es…usw.

Diese – wenngleich für den Uneingeweihten sibyllinischen – Worte waren äußerst aufschlussreich, und ich dachte lange darüber nach. Aber das Bild floh mich. Reverdys Ästhetik, durch und durch eine Ästhetik a posteriori, veranlasste mich, die Wirkungen für die Ursachen zu halten. Und so kam es, dass ich endgültig auf meinen Standpunkt verzichtete.


SURREALISMUS, Subst., m. – Reiner psychischer Automatismus, durch den man mündlich oder schriftlich oder auf jede andere Weise den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht. Denk-Diktat ohne jede Kontrolle durch die Vernunft, jenseits jeder ästhetischen oder ethischen Überlegung.

EZYKLOPÄDIE. Philosophie. Der Surrealismus beruht auf dem Glauben an die höhere Wirklichkeit gewisser, bis dahin vernachlässigter Assoziationsformen, an die Allmacht des Traumes, an das zweckfreie Spiel des Denkens. Er zielt auf die endgültige Zerstörung aller anderen psychischen Mechanismen und will sich zur Lösung der hauptsächlichen Lebensprobleme an ihre Stelle setzen. […]

  • André Breton: Erstes Manifest des Surrealismus, in:

http://inabima.org/BibliotecaInabima2/B/Breton,%20Andr%E9/Breton,%20Andr%E9%20-%20Die%20Manifeste%20des%20Surrealismus.pdf

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